Eine Bekannte ruft mich an: Sie will einer Freundin ein Video von der Abschlussfeier ihrer Tochter schicken, anderthalb Gigabyte, und ihre Mail kommt zurück. „Zu groß", sagt der Server. Sie hat schon versucht, das Video zu komprimieren, es dauert ewig, die Qualität ist danach Matsch. Ich sage ihr: Schick es über Mail Drop. Sie fragt: Was ist Mail Drop? Und ich merke, dass ich das nicht in zwei Sätzen erklären kann, ohne dass es klingt wie eine Funktion, die irgendwo in den Tiefen der Apple-Einstellungen versteckt ist.

Ist sie aber nicht. Mail Drop ist eine der praktischsten Sachen, die Apple je in iCloud eingebaut hat, und gleichzeitig eine der am schlechtesten dokumentierten. Bis zu 5 GB pro Nachricht dürfen Sie damit verschicken, ohne dass der Empfänger ein Apple-Gerät oder auch nur ein iCloud-Konto braucht. Und trotzdem scheitern die Leute daran, weil die Funktion entweder nicht aktiviert ist, nicht dort auftaucht, wo man sie erwartet, oder weil eine Fehlermeldung auftaucht, die niemand versteht.

Wichtige Erkenntnisse

  • Mail Drop ist kein eigener Dienst, sondern eine Funktion von iCloud Mail, die große Anhänge automatisch auslagert.
  • Das Limit liegt bei 5 GB pro Nachricht, nicht bei 25 MB – das ist nur die Grenze, ab der Mail Drop überhaupt einsetzt.
  • Der Empfänger bekommt einen Download-Link, der nach etwa 30 Tagen abläuft. Danach ist die Datei weg.
  • Mail Drop muss in den iCloud-Einstellungen aktiviert sein, sonst schlägt der Versand mit einer kryptischen Fehlermeldung fehl.
  • Bei Gmail, Outlook & Co. gibt es ähnliche Mechanismen, aber mit anderen Limits und anderer Aufbewahrungsdauer.
  • Die gesendete Nachricht samt Link finden Sie im Ordner „Gesendet" – nicht im Postausgang.

Was ist Mail Drop – und warum braucht man es überhaupt?

Jeder Mailserver hat eine Obergrenze für Anhänge. Bei den meisten Providern liegt sie irgendwo zwischen 20 und 50 MB, manche lassen etwas mehr zu, viele deutlich weniger. Das ist kein Zufall: Eine Mail mit 200 MB Anhang liegt auf dem Server, bis der Empfänger sie löscht, und das kann dauern. Speicherplatz kostet Geld, und ein überfülltes Postfach ist ein Supportfall.

Mail Drop umgeht das Problem, indem es den Anhang gar nicht erst in die Mail packt. Stattdessen lädt iCloud die Datei auf seine eigenen Server und setzt einen Link in die Nachricht. Der Empfänger klickt, lädt herunter, fertig. Für ihn sieht es aus wie ein normaler Download, er muss sich nirgends anmelden.

Der Unterschied zwischen „Anhangslimit" und „Mail-Drop-Limit"

Hier liegt die häufigste Verwechslung, und ich habe sie selbst lange mitgemacht. Viele Anleitungen schreiben „Mail Drop erlaubt 25 MB". Das ist falsch. Die 25 MB sind die Grenze, ab der Apple Mail anfängt, überhaupt etwas auszulagern – ab da schlägt die Funktion vor, den Weg über iCloud zu nehmen. Das eigentliche Maximum liegt bei 5 GB. Dazwischen liegt viel Luft.

Konkret heißt das: Sie können ein 4,8-GB-Video verschicken. Sie können ein ganzes Fotoarchiv verschicken. Sie können nicht zwei davon in eine Mail packen, dann meckert Mail wieder.

Was Mail Drop nicht ist

Und weil ich das in Foren ständig sehe: Mail Drop ist kein Cloud-Speicher. Sie können dort keine Dateien ablegen und später wieder hervorholen. Sie haben keinen Ordner namens „Mail Drop", in dem Ihre Anhänge herumliegen. Die Datei existiert auf Apples Servern nur so lange, wie der Download-Link lebt, und der läuft nach rund 30 Tagen ab.

Es gibt übrigens auch eine App namens „Mail Drop" von einem anderen Anbieter, die physische Postkarten verschickt. Wenn Sie auf der Suche nach der Apple-Funktion auf dieser Seite landen, sind Sie falsch. Das nur am Rande, weil ich schon zwei Leute dabei erwischt habe, wie sie sich gewundert haben.

Einrichten in zwei Minuten – und die Stelle, an der alle hängen

Die Aktivierung versteckt sich dort, wo niemand sie sucht: in den iCloud-Einstellungen, nicht in den Mail-Einstellungen. Das ist der Grund, warum die halbe Welt glaubt, ihr Mail Drop sei kaputt.

Einrichten in zwei Minuten – und die Stelle, an der alle hängen

Auf dem Mac

  1. Systemeinstellungen öffnen, dann oben auf Ihren Namen klicken (Apple-ID).
  2. „iCloud" wählen, dann auf „iCloud Mail" tippen – je nach Systemversion heißt der Punkt etwas anders.
  3. Dort finden Sie den Schalter „Mail Drop". Einschalten.

Fehlt der Schalter komplett, ist Ihr iCloud-Mail-Konto auf dem Gerät nicht eingerichtet. Dann hilft nur: Apple Mail öffnen, iCloud-Konto hinzufügen, danach taucht die Option auf.

Auf dem iPhone

Einstellungen → Ihr Name → iCloud → iCloud Mail → Mail Drop einschalten. Gleiche Logik, etwas kürzerer Weg. Wer die Einstellung sucht, findet sie oft nicht, weil unter „iCloud" nur die Apps aufgelistet sind, für die man Speicher gebucht hat – der Punkt „iCloud Mail" erscheint erst, wenn das Postfach wirklich aktiv ist.

Und dann? Nichts weiter. Mail Drop ist ein stiller Dienst. Sie merken erst, dass er läuft, wenn Sie eine große Datei anhängen – dann fragt Mail Sie, ob Sie über Mail Drop senden wollen. Bestätigen, abschicken, Schluss.

Warum funktioniert mein Postausgang in Apple Mail nicht?

Diese Frage bekomme ich am häufigsten, und die Antwort ist fast immer: Es liegt nicht am Postausgang. Es liegt an einem Anhang, der nicht durchgeht.

Warum funktioniert mein Postausgang in Apple Mail nicht?

Die typischen Ursachen

  • Mail Drop ist aus. Die Mail bleibt im Postausgang hängen, weil der Server die Datei ablehnt. Die Fehlermeldung spricht von Anhängen, nicht von Mail Drop – das verwirrt.
  • Das iCloud-Konto ist voll. Klingt paradox bei einem Dienst, der Speicher auslagert, ist aber so: Mail Drop braucht iCloud-Speicherplatz. Ist der voll, war's das.
  • Der Anhang ist größer als 5 GB. Dann hilft nur splitten oder komprimieren.
  • Das Konto ist gar kein iCloud-Konto. Mail Drop funktioniert nur mit iCloud-Adressen. Ein Gmail-Konto in Apple Mail hat diese Option nicht.
  • Mehrere Empfänger in einer problematischen Konfiguration. In einigen Fällen scheitert der Versand an eine Gruppe, während der Einzelversand klappt – dann hilft es, die Mail aufzuteilen.

Ich hatte selbst mal den Fall, dass 22 GB iCloud-Speicher frei waren und Mail Drop trotzdem nicht wollte. Lösung nach einer Stunde Herumprobieren: Das iCloud-Mail-Konto war zwar eingerichtet, aber nicht als Standard-Absender für große Anhänge hinterlegt. Nach dem Umschalten lief es. Solche Details stehen in keiner Anleitung.

Wo die gesendete Mail wirklich landet

Und jetzt der Punkt, an dem viele verzweifeln: Sie haben eine Mail über Mail Drop verschickt, wollen nachschauen, ob alles angekommen ist, und finden im Postausgang – nichts. Richtig. Der Postausgang ist für nicht gesendete Nachrichten. Was Sie suchen, steht im Ordner „Gesendet".

Dort öffnen Sie die Nachricht, und im Text finden Sie den Download-Link, den der Empfänger bekommen hat. Sie können ihn selbst testen, Sie können ihn weitergeben, Sie können prüfen, ob die Datei noch da ist. Über den Link lässt sich die Datei – solange sie noch nicht abgelaufen ist – auch erneut herunterladen.

Ist AirDrop sicher?

Kurze Antwort: Ja, im normalen Betrieb ist AirDrop sicher, weil die Übertragung verschlüsselt läuft und nur zwischen Geräten in unmittelbarer Nähe stattfindet. Lange Antwort: Es kommt darauf an, wie Sie die Einstellungen konfiguriert haben.

Ist AirDrop sicher?

Der Punkt, den viele vergessen: Wenn Sie AirDrop auf „Für alle" stellen, kann theoretisch jeder in Funkreichweite Ihnen Dateien schicken. In der Bahn, im Café, im Hörsaal. Das ist nicht gefährlich im Sinne von „Jemand liest Ihre Daten mit", aber es ist lästig, und es gab in der Vergangenheit mehrfach Berichte über unerwünschte Zusendungen in vollen Zügen.

Meine Empfehlung, und da bin ich stur: Lassen Sie die Einstellung auf „Nur Kontakte". Das reicht für 95 Prozent der Fälle. Wenn Sie jemandem etwas schicken wollen, der nicht in Ihren Kontakten ist, stellen Sie kurz auf „Für alle", schicken, stellen zurück. Dauert zehn Sekunden und erspart Peinlichkeiten.

Ein Hinweis am Rande: AirDrop und Mail Drop haben nichts miteinander zu tun. AirDrop ist die Funkübertragung zwischen Geräten in der Nähe, Mail Drop ist der Versand großer Dateien per E-Mail. Ich erwähne das, weil beide Namen sich so ähnlich anhören, dass sie ständig verwechselt werden – kein Wunder bei Apple.

Mail Drop im Vergleich mit anderen Diensten

Wer regelmäßig große Dateien verschickt, kommt irgendwann an den Punkt, an dem er wissen will, ob Mail Drop die richtige Wahl ist oder ob es nicht etwas Besseres gibt. Hier eine ehrliche Gegenüberstellung:

Dienst Max. Größe Aufbewahrung Empfänger braucht Konto?
Mail Drop (Apple) 5 GB ca. 30 Tage Nein
Gmail (Google Drive-Link) 25 MB direkt / 15 GB über Drive unbegrenzt (Drive-Quota) Google-Konto empfohlen
WeTransfer (kostenlos) 2 GB 7 Tage Nein
Outlook (OneDrive-Link) 20 MB direkt / 5 GB über OneDrive OneDrive-Quota Microsoft-Konto empfohlen

Was auffällt: Mail Drop hat mit 5 GB das großzügigste Limit, verlangt aber ein iCloud-Konto beim Absender und läuft nach 30 Tagen ab. WeTransfer ist einfacher, aber deutlich knapper und kürzer. Gmail ist bequem, wenn man ohnehin im Google-Kosmos lebt.

Meine persönliche Reihenfolge: Für alles bis 2 GB nehme ich WeTransfer, weil es in 20 Sekunden geht und der Empfänger nichts denken muss. Für alles darüber Mail Drop, weil es zuverlässig ist und ich es ohnehin bezahle. Und wenn ich einem Windows-Nutzer etwas schicke und weiß, dass er mit iCloud nichts am Hut hat, greife ich doch wieder zu WeTransfer – nicht aus Prinzip, sondern weil ich keine Diskussion über Links führen will, die er nicht öffnen kann.

Was bleibt

Mail Drop ist eine dieser Funktionen, die man einmal versteht und dann nie wieder darüber nachdenkt. Der ganze Ärger entsteht nicht durch die Technik, sondern durch die Verpackung: Die Aktivierung liegt in den iCloud-Einstellungen statt in Mail, der Postausgang ist der falsche Ordner, und die Fehlermeldungen reden von Anhängen, wenn sie Mail Drop meinen.

Wenn Sie sich eine Sache aus diesem Artikel merken: Prüfen Sie zuerst, ob Mail Drop in den iCloud-Einstellungen überhaupt eingeschaltet ist. In neun von zehn Fällen, in denen jemand bei mir anruft und sagt „mein Mail geht nicht raus", ist das die Antwort.

Was mich allerdings bis heute stört: Dass Apple es nicht für nötig hält, den Link zur gesendeten Datei irgendwo sichtbar zu machen außer im Text der Mail selbst. Wer nach drei Wochen wissen will, ob der Empfänger das Video heruntergeladen hat, hat keine Chance. Keine Bestätigung, keine Statistik, nichts. Vielleicht ist das der Preis für einen Dienst, der so unauffällig funktioniert, dass man ihn vergisst. Vielleicht ist es einfach eine Lücke, die noch niemand geschlossen hat.