La Gomera: die Kanaren-Insel, die kaum jemand auf dem Radar hat
„Und dann fahren wir mit der Fähre rüber nach Teneriffa, oder?" — diesen Satz höre ich jedes Mal, wenn ich erzähle, dass ich zwei Wochen auf La Gomera war. Die meisten Leute kennen Teneriffa, Gran Canaria, vielleicht noch Lanzarote. La Gomera? Da runzeln viele die Stirn. Dabei liegt die Insel nur eine knappe Fährenstunde von Teneriffa entfernt, und trotzdem fühlt sie sich an wie eine andere Welt.
Ich will Ihnen ehrlich sagen, was Sie auf La Gomera (Kanaren) erwartet — und was nicht. Keine Bettenburgen, keine Promenadenmeile mit Cocktailbars im Minutentakt. Stattdessen: steile Schluchten, Nebelwald, Dörfer, in denen Sie beim Bäcker noch bar bezahlen, und Straßen, bei denen ich das erste Mal seit Jahren wieder richtig Angst hatte am Steuer.
Wichtige Erkenntnisse
- La Gomera ist die zweitkleinste bewohnte Insel der Kanaren — rund 370 Quadratkilometer, etwa 22.000 Einwohner.
- Der Lorbeerwald im Nationalpark Garajonay gehört zum UNESCO-Welterbe und existiert in dieser Form nur auf wenigen Atlantikinseln.
- Die Fähre ab Los Cristianos (Teneriffa) braucht etwa 50 Minuten; Flüge gibt es nur vom Nachbareiland.
- Die Insel teilt sich in zwei Klimazonen: trocken und sonnig im Süden, feucht und grün im Norden.
- Ein Mietwagen ist praktisch Pflicht — mit dem Bus kommen Sie an viele Orte kaum hin.
- Wer Massentourismus sucht, ist hier falsch. Wer Ruhe sucht, wird sie finden.
La Gomera: welches Land — und wo genau Sie hier landen
Kurz und schmerzlos: La Gomera gehört zu Spanien, genauer zur Autonomen Gemeinschaft der Kanarischen Inseln. Die Insel liegt im Atlantik, etwa 300 Kilometer vor der nordwestafrikanischen Küste und nur rund 30 Kilometer westlich von Teneriffa. Klingt nah, ist es auch — und genau das ist der Punkt, den viele unterschätzen.
Denn obwohl die Insel politisch zu Europa gehört, liegt sie geografisch schon fast in Afrika. Das merken Sie an den Temperaturen, an der Vegetation, an den Farben. Wer im Winter aus Mitteleuropa anreist und bei 22 Grad aus dem Fährterminal in San Sebastián tritt, versteht sofort, warum die Kanaren als Ganzjahresziel funktionieren.
Die Insel in Zahlen
Rund 370 Quadratkilometer Fläche, etwa 22.000 Menschen, die dauerhaft hier leben. Der höchste Punkt ist der Alto de Garajonay mit knapp 1.500 Metern. Hauptstadt ist San Sebastián de La Gomera an der Ostküste.
Was diese Zahlen nicht verraten: Wie steil das alles ist. Die Insel ist im Grunde ein einziger Berg, aus dem das Meer ringsum Schluchten gefräst hat. Zwischen Meereshöhe und Gipfel liegen oft nur ein paar Kilometer Luftlinie — dafür aber 1.000 Höhenmeter. Das erklärt, warum eine Fahrt von San Sebastián ins Valle Gran Rey auf der Karte harmlos aussieht und sich in der Realität wie eine halbe Ewigkeit anfühlt.
La Gomera Karte: so verstehen Sie die Insel, bevor Sie losfahren
Wenn Sie sich eine Karte von La Gomera anschauen, sehen Sie grob ein rundes Gebilde mit einem Berg in der Mitte. Klingt simpel. Ist es nicht, denn die Straßen führen nicht über den Berg, sondern in serpentinenartigen Kurven an den Hängen entlang. Was auf dem Papier nach 25 Kilometern aussieht, kann gut eine Stunde dauern.
Ich habe das bei meiner ersten Fahrt ins Vallehermoso schmerzhaft gelernt. Google Maps sagte 40 Minuten. Ich brauchte fast 80. Nicht wegen Stau — wegen der Kurven, der engen Stellen und weil ich zweimal anhalten musste, um nicht seekrank zu werden. Ehrlich gesagt war das ein Anfängerfehler.
Die wichtigsten Regionen im Überblick
- San Sebastián — Ankunftshafen, überschaubar, mit kolonialem Charme und der Casa Colón.
- Der Norden — grün, feucht, mit Agulo und Hermigua zwei der schönsten Dörfer der Insel.
- Das Valle Gran Rey — im Südwesten, das touristische Zentrum, mit Strand und entspannter Atmosphäre.
- Der Nationalpark Garajonay — das Herz der Insel, Wald, Nebel, Wanderwege.
- Playa de Santiago — im Süden, ruhiger, viele Langzeitgäste.
Merken Sie sich eine Faustregel: Norden ist grün, Süden ist trocken. Wenn Sie Anfang des Jahres reisen und Sonne wollen, bleiben Sie im Süden. Wenn Sie Nebelwald und Wasserfälle möchten, fahren Sie in den Norden. Die Insel macht das täglich vor.
La Gomera Kanaren-Wetter: wann Sie am besten fahren sollten
Die Insel hat ein subtropisches Klima, das heißt: milde Winter, warme Sommer, ganzjährig angenehme Wassertemperaturen. Der kühlste Monat ist meist der Januar mit Tageswerten um 20 Grad an der Küste, der wärmste der August mit knapp 28 Grad. Klingt nach perfektem Ganzjahresziel — und ist es im Großen und Ganzen auch.
Das Ding ist: Die Insel macht ihr eigenes Wetter. Im Süden kann die Sonne brennen, während San Sebastián und der Norden unter einer dichten Wolkendecke liegen. Diese Wolken, die von den Passatwinden herangedrückt werden, hängen sich förmlich am Bergmassiv fest. Deshalb ist der Norden so grün — und deshalb sollten Sie bei Tagesausflügen immer eine leichte Jacke dabei haben, auch wenn es am Strand 26 Grad hat.
Beste Reisezeit — meine ehrliche Einschätzung
Für Wanderer sind Frühling (März bis Mai) und Herbst (Oktober bis November) ideal. Angenehme Temperaturen, weniger Andrang, klare Sicht. Der Sommer ist warm und trocken, aber auch die Hauptreisezeit der Spanier. Der Winter bleibt mild, kann aber im Norden nass und windig werden.
Was niemand vorher erwähnt: Die Calima — eine Wetterlage, bei der heißer Wüstenwind aus Afrika herüberzieht. Dann wird es staubig, drückend, und die Sicht verschwindet. Bei mir dauerte das drei Tage und ich habe in dieser Zeit ehrlich gesagt nichts gemacht außer am Pool zu liegen. Kommt nicht jedes Jahr, kann aber jeden erwischen.
La Gomera Urlaub: welche Orte sich wirklich lohnen
La Gomera hat eine Besonderheit: Es gibt kaum klassische Hotelburgen. Die meisten Unterkünfte sind kleine Landhäuser, Apartments, Fincas. Das ist Fluch und Segen zugleich — wer Luxusresort-Erwartungen hat, wird enttäuscht sein. Wer Ruhe sucht, wird sie finden.
Valle Gran Rey
Der bekannteste Ort liegt an der Südwestküste in einem tiefen Tal, das zum Meer hin ausläuft. Hier konzentriert sich ein großer Teil des Tourismus, aber alles im überschaubaren Rahmen. Es gibt Restaurants, kleine Läden, einen breiten Strand und viele Menschen, die den Winter hier verbringen. Ich habe im Februar zwei Deutsche getroffen, die seit Jahren von November bis März bleiben. Nachvollziehbar.
Agulo und Hermigua
Im Norden liegen diese beiden Dörfer. Agulo wird oft als eines der schönsten Dörfer Spaniens bezeichnet, und ich kann das bestätigen: enge Gassen, bunte Häuser, ein Platz, an dem man einfach sitzen kann. Hermigua ist größer, mit Bananenplantagen und einem tiefen Tal, in dem man wandern kann.
Für mich war Agulo der Moment, in dem ich verstanden habe, warum Leute nach La Gomera kommen. Kein Bus, der alle 20 Minuten vorbeifährt. Kein Andrang. Nur Ruhe.
San Sebastián de La Gomera
Die Hauptstadt ist Ankunftsort und Ausgangspunkt. Sie ist überschaubar — man kann sie in zwei Stunden durchlaufen — aber sie hat Geschichte. Christoph Kolumbus soll hier auf seiner Reise nach Amerika Station gemacht haben. Die Casa de Colón erinnert daran. Ein halber Tag reicht, dann zieht es einen weiter.
La Gomera Geheimtipps, die in keinem Reiseführer stehen
Nach mehreren Besuchen habe ich ein paar Dinge gelernt, die ich vorher nirgends gelesen hatte. Vielleicht helfen sie Ihnen.
- Tanken Sie immer rechtzeitig. Es gibt auf der ganzen Insel nur wenige Tankstellen. Ich bin einmal mit einem fast leeren Tank nach Vallehermoso gefahren — nicht lustig.
- Die Fähre am Morgen ist ruhiger als die am Abend. Wer zurückschaukeln will, sollte die letzte Verbindung meiden.
- Bargeld mitnehmen. Viele kleine Läden und Restaurants akzeptieren keine Karte.
- Der El-Silbo-Workshop in San Sebastián. Die Pfeifsprache der Ureinwohner ist UNESCO-Welterbe. Man kann sie demonstriert bekommen — ein Erlebnis, das man selten beschreiben kann.
- Die Wanderung von San Sebastián nach Playa de Santiago. Kaum jemand macht sie, weil sie lang ist. Aber sie führt durch Landschaften, die man sonst nirgends sieht.
La Gomera Reisewarnung: was Sie wirklich beachten sollten
Immer wieder taucht die Frage auf, ob es eine aktuelle Reisewarnung für La Gomera gibt. Die kurze Antwort: Nein, eine generelle Warnung existiert nicht. Die Insel ist sicher, die Kriminalitätsrate niedrig, die medizinische Grundversorgung vorhanden.
Was aber tatsächlich eine Rolle spielt, ist etwas anderes: Waldbrandgefahr. Die Kanaren insgesamt haben immer wieder längere Trockenphasen. Der Garajonay-Nationalpark kann bei erhöhter Gefahr für Besucher geschlossen werden — dann sind alle Wanderwege gesperrt. Ich habe das während eines Aufenthalts erlebt. Drei Tage durfte niemand rein. Planen Sie also flexibel, wenn der Park zu den Highlights Ihres Urlaubs gehört.
Auch erwähnenswert: Die Straßen. Viele sind schmal, kurvig, ohne Leitplanken. Wer Höhenangst hat, sollte bestimmte Strecken meiden. Und die Mietwagenversicherung sollte ausdrücklich Schäden an Unterboden und Reifen einschließen. Ich habe mir zweimal den Unterboden aufgeschrammt — zum Glück versichert.
La Gomera erreichen: Fähre, Flug oder beides?
Die typische Route führt über Teneriffa. Entweder landen Sie dort und nehmen die Fähre ab Los Cristianos nach San Sebastián — die Überfahrt dauert etwa 50 Minuten, mehrere Fähren fahren täglich. Oder Sie fliegen direkt zum kleinen Flughafen im Süden von La Gomera, aber das geht nur mit Umsteigen in Teneriffa oder Gran Canaria. Und zwar mit einer Propellermaschine, die bei Wind unangenehm ruckelt. Ich habe es einmal gemacht und würde die Fähre jederzeit vorziehen.
| Anreise | Dauer | Praktisch wenn… |
|---|---|---|
| Fähre ab Los Cristianos | ca. 50 Minuten | Sie ohnehin auf Teneriffa sind |
| Flug ab Teneriffa Nord | ca. 25 Minuten | Sie Zeit sparen wollen |
| Flug ab Gran Canaria | ca. 45 Minuten | Ihr Direktflug dort landet |
| Eigene Yacht | variabel | Glückwunsch |
Was die Fähre kostet? Ich zahle für die einfache Fahrt als Fußpassagier meist zwischen 15 und 25 Euro — je nach Anbieter und Buchungszeitpunkt. Mietwagen kostet extra, klar. Bei der Rückreise sollten Sie die Fähre vorab buchen, besonders im Winter, wenn viele Rentner zurück nach Teneriffa wollen.
Für wen sich La Gomera lohnt — und für wen nicht
Ich bin ehrlich: La Gomera ist nicht für jeden. Wer All-Inclusive-Urlaub mit Poolanimation sucht, wird unglücklich. Wer jeden Abend zwischen zwanzig Restaurants wählen will, ebenfalls. Die Insel ist ruhig, ländlich, eigenwillig. Sie fordert ein bisschen was — vor allem Geduld am Steuer und die Bereitschaft, sich treiben zu lassen.
Aber wer genau das sucht, wer wandern will, wer die Stille mag, wer morgens aufwacht und nur den Wind hört — für die ist La Gomera eine der ehrlichsten Inseln, die Europa zu bieten hat. Kein Spektakel. Aber etwas, das hängen bleibt.
Mir geht es jedenfalls so: Jedes Mal, wenn ich auf der Fähre zurück nach Teneriffa sitze und die Insel kleiner wird, überlege ich, wie ich beim nächsten Mal länger bleiben kann.