Der Kreuzfahrt-Terminal liegt direkt an der Avenida de Anaga, und wenn ich morgens um neun von Bord gehe, sehe ich sie schon: diese Skyline, die aussieht, als hätte jemand ein Raumschiff in eine Kolonialstadt geparkt. Ich bin jetzt zum vierten Mal hier, jedes Mal mit einer anderen Erwartung angereist, und jedes Mal hat mich die Stadt ein bisschen anders überrascht.
Santa Cruz de Tenerife ist die Hauptstadt der Insel, rund 208.000 Einwohner, ein Hafen mit über 500 Jahren Geschichte und gleichzeitig der lauteste Kontrast, den die Kanaren zu bieten haben. Manche Besucher hassen das. Ich finde: genau darum lohnt es sich. Wer nur Strände sucht, ist in Puerto de la Cruz besser aufgehoben. Wer eine echte Stadt will, mit Verkehr, mit Beton, mit Churros-Buden um sechs Uhr morgens, ist hier richtig.
Wichtige Erkenntnisse
- Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen fußläufig zwischen Plaza de España und der Rambla — planen Sie maximal zwei Gehzonen pro Tag
- Das Auditorio und der Parque Marítimo sind kostenlos zugänglich, das Museum der Natur und des Menschen nicht
- Wer vom Kreuzfahrtschiff kommt, schafft den Altstadt-Kern in 20 Gehminuten, ohne Taxi
- Viele Besucher verwechseln Santa Cruz mit Puerto de la Cruz — das sind rund 35 Kilometer und zwei völlig verschiedene Städte
- Die Trams fahren bis La Laguna und sind die günstigste Art, die Stadt zu verlassen, ohne Mietwagen
Santa Cruz Teneriffa Sehenswürdigkeiten: der kompakte Überblick
Ich habe mir beim ersten Besuch eine Liste mit elf Punkten gemacht und genau drei geschafft. Nicht wegen der Entfernungen, sondern weil ich ständig in Cafés hängen geblieben bin. Seitdem plane ich anders: pro Tag eine Zone, alles andere ergibt sich.
Die Stadt hat zwei Gesichter, und beide liegen keine zehn Minuten auseinander. Unten am Wasser: Beton, Parkplätze, das Auditorio. Zehn Minuten landeinwärts: Gassen mit Holzbalkonen aus dem 17. Jahrhundert, Kirchen, ein Markt, der um sieben Uhr morgens voll ist.
Plaza de España und der künstliche See
Der Platz ist der Nullpunkt der Stadt. Ein riesiger, runder Brunnen in der Mitte, der aussieht wie ein überdimensionales Planschbecken, daneben das Denkmal für die Gefallenen des Bürgerkriegs, ein kreisrunder Turm aus Stein, der von oben betrachtet wie ein Kreuz aussieht.
Ehrlich gesagt: auf Fotos wirkt der Platz spektakulärer als in echt. Was ihn interessant macht, ist die Umgebung. Das Cabildo, das Inselparlament, grenzt direkt an, und dahinter beginnt die Fußgängerzone Calle del Castillo. Dort passiert das eigentliche Stadtleben: Ketten, lokale Läden, Straßenmusik, und eine Dichte an Schuhgeschäften, die ich mir nicht erklären kann.
Adresse: Plaza de España, 38003 Santa Cruz de Tenerife. Eintritt frei. Rechnen Sie mit 20 Minuten, wenn Sie nur schauen, und mit einer Stunde, wenn Sie sich auf eine Bank setzen und das Treiben beobachten.
Auditorio de Tenerife
Das Gebäude von Santiago Calatrava ist das Wahrzeichen der modernen Stadt. Eine geschwungene Betonschale mit einer Spitze, die über die Bucht ragt. Wenn Sie mit dem Schiff ankommen, sehen Sie es zuerst.
Was viele nicht wissen: das Auditorio liegt nicht mitten in der Stadt, sondern am östlichen Rand, hinter dem Hafen. Von der Plaza de España aus sind es etwa 25 Gehminuten entlang der Avenida de la Constitución. Ich bin die Strecke einmal in der Mittagshitze gelaufen und würde es nicht wieder tun.
Führungen gibt es nur zu bestimmten Zeiten, und ob sie stattfinden, hängt vom Probenplan ab. Konzerte sind oft günstiger, als man denkt — ich habe für ein Sinfoniekonzert im oberen Rang unter 20 Euro bezahlt.
Santa Cruz Teneriffa Altstadt zu Fuß
Die Altstadt hat kein klar abgegrenztes Viertel wie etwa die von La Laguna. Sie ist ein Netz aus Gassen zwischen der Plaza de España und der Plaza del Cristo, und sie ist kleiner, als die Karten vermuten lassen. In zwei Stunden haben Sie sie durch.
Iglesia de la Concepción
Die Kirche ist das älteste Bauwerk der Stadt und steht dort, wo 1494 die erste Kapelle errichtet wurde. Der Turm ist der älteste erhaltene Teil, der Rest wurde mehrfach umgebaut, weil Brände und Stürme ganze Arbeit geleistet haben.
Der Eintritt ist kostenlos. Der Blick vom Turm lohnt sich nur bei klarer Sicht — bei Calima, dem Staubwind aus der Sahara, sehen Sie praktisch nichts. Ich habe das einmal versucht und nach zehn Minuten aufgegeben.
Mercado de Nuestra Señora de África
Das ist mein Lieblingsort in der ganzen Stadt. Ein Markt aus den 1940er Jahren, halb offener Hof, zwei Etagen. Unten: Obst, Fisch, Blumen. Oben: kleine Imbisse.
Der beste Zeitpunkt ist der frühe Morgen. Gegen sieben Uhr kommen die Fischer, gegen neun die Einheimischen, ab elf die Touristen. Wenn Sie mittags ankommen, ist die Stimmung schon vorbei.
Bestellen Sie unbedingt einen Kaffee an einem der Stände. Kein Vergleich zu dem, was an der Promenade serviert wird. Preis: unter 2 Euro.
Calle de la Noria und Plaza del Cristo
Diese Straße ist die ruhigere Alternative zur Calle del Castillo. Kopfsteinpflaster, Holzbalkone, kleine Läden für Kunsthandwerk. Am Ende erreichen Sie die Plaza del Cristo, einen Platz, der kaum in Reiseführern auftaucht und genau deshalb angenehm ist.
Dort habe ich einmal zwei Stunden verbracht, ohne etwas zu tun. Das ist in Santa Cruz keine verlorene Zeit.
Santa Cruz Teneriffa Geheimtipps abseits der Liste
Was in keinem der üblichen Artikel steht: die Stadt hat eine Tiefgarage unter der Plaza de España, die fast immer Plätze frei hat. Und sie hat eine Straßenbahn, die niemand erwähnt.
Der Tram nach La Laguna
Die Linie 1 fährt von der Haltestelle Intercambiador im Norden der Stadt nach La Laguna. Fahrzeit etwa 40 Minuten, die Fahrt kostet wenige Euro. La Laguna selbst ist UNESCO-Welterbe und hat die schönere Altstadt — wenn Sie nur einen Tag haben und sich entscheiden müssen, fahren Sie hin.
Ich habe das beim zweiten Besuch gemacht und mich geärgert, es nicht schon früher getan zu haben.
Parque Marítimo
Drei künstliche Meerwasserbecken, entworfen vom gleichen Architekten, der das Auditorio entworfen hat. Eintritt kostet ein paar Euro, Liegen extra. Einheimische gehen dort schwimmen, was schon ein Qualitätsurteil ist.
Der Vorteil gegenüber den Stränden im Süden: kein Bus, kein Mietwagen, keine zwei Stunden Anfahrt. Nachteil: es ist ein Betonbecken, kein Sandstrand. Mich hat das nie gestört.
Palmetum
Ein botanischer Garten auf einer ehemaligen Mülldeponie, direkt oberhalb des Hafens. Klingt romantischer, als es ist — aber die Aussicht auf die Stadt und das Meer ist die beste, die Sie in Santa Cruz finden, ohne auf einen Berg zu steigen.
Der Eintritt liegt bei etwa 6 Euro für Erwachsene. Der Weg vom Zentrum ist steil. Nehmen Sie ein Taxi, wenn Sie nicht gut zu Fuß sind.
Santa Cruz de Tenerife auf eigene Faust
Ein Mietwagen ist für die Stadt selbst unnötig und eher hinderlich. Parken ist teuer, die Innenstadt größtenteils verkehrsberuhigt, und das Bussystem ist dicht genug.
Wie kommen Sie hin und weiter
- Tram: zwei Linien, verbinden Santa Cruz mit La Laguna
- Titsa-Busse: vom Intercambiador aus fahren Linien in alle Inselrichtungen, unter anderem zum Teide und in den Süden
- Taxi: innerhalb der Stadt selten mehr als 10 Euro
- Mietwagen gar nicht — außer Sie planen Ausflüge in den Norden oder zum Teide
Beste Zeit für einen Besuch
Das Klima ist das ganze Jahr über mild, zwischen 18 und 25 Grad in der Stadt. Die Hauptsaison läuft von November bis März, wenn Nordeuropa friert und die Kanaren voll sind.
Im Sommer ist es in Santa Cruz selbst oft heißer als an der Küste im Süden, weil die Stadt in einem Talkessel liegt und die Luft steht. Dann sind die Monate, in denen ich die Stadt lieber morgens und abends erkunde als mittags.
| Sehenswürdigkeit | Eintritt | Empfohlene Dauer | Entfernung vom Zentrum |
|---|---|---|---|
| Plaza de España | frei | 20–60 Min. | Zentrum |
| Iglesia de la Concepción | frei | 30 Min. | 5 Min. zu Fuß |
| Mercado de África | frei | 45 Min. | 10 Min. zu Fuß |
| Auditorio | frei (Führung extra) | 30 Min. | 25 Min. zu Fuß |
| Palmetum | ca. 6 Euro | 1,5 Std. | 20 Min. zu Fuß, steil |
| Parque Marítimo | ca. 5 Euro | 2 Std. | 15 Min. zu Fuß |
Häufige Fragen
Wie viel Zeit brauche ich für Santa Cruz?
Für den Kern reicht ein halber Tag. Wer Markt, Kirche, Plaza und das Auditorio mitnehmen will, sollte einen ganzen Tag einplanen. Ich habe beide Varianten durch und finde: ein Tag ist besser, weil man dann nicht hetzen muss.
Ist Santa Cruz dasselbe wie Puerto de la Cruz?
Nein, und die Verwechslung ist der häufigste Fehler, den ich bei Besuchern sehe. Santa Cruz ist die Hauptstadt im Osten, ein Hafen- und Verwaltungszentrum. Puerto de la Cruz liegt im Norden, rund 35 Kilometer entfernt, und ist ein historischer Touristenort mit Promenade und Meerwasserschwimmbecken.
Wenn Sie einen Ausflug buchen und nicht wissen, welcher Ort gemeint ist: fragen Sie nach. Ich habe einmal fast eine Stunde im falschen Bus gesessen.
Kann man alles zu Fuß erreichen?
Den Altstadtkern ja. Für das Auditorio, den Palmetum und den Parque Marítimo sollten Sie entweder mehr Zeit einplanen oder ein Taxi nehmen. Die Wege sind nicht lang, aber sie ziehen sich, und die Stadt ist nicht flach.
Was bleibt
Santa Cruz ist keine Stadt, die einen beim ersten Blick umhaut. Sie ist laut, teilweise hässlich, und sie bemüht sich nicht um Sympathie. Aber sie ist echt, und genau das ist auf den Kanaren selten geworden.
Wer nach dem Besuch sagt, die Stadt sei nichts Besonderes, war vermutlich nur am Hafen und im Hard-Rock-Café. Wer einmal um sieben Uhr morgens auf dem Markt war, einen Kaffee für 1,50 Euro getrunken und den Fischverkäufern zugesehen hat, kommt mit einer anderen Meinung zurück.
Und wenn Sie das nächste Mal mit dem Schiff anlegen: gehen Sie nicht direkt in die Fußgängerzone. Gehen Sie links, in die Gassen. Dort liegt die Stadt, die in keinem Prospekt steht.